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Audiophile Grenzerfahrung

Mit dem CRBN2 bringt Audeze einen Kopfhörer als neues Spitzenmodell auf den Markt, der nicht nur ambitionierte Audiophile neugierig machen dürfte. Die US-amerikanische Kopfhörerschmiede, die sich mit planaren Magnettreibern einen Namen gemacht hat, wagt sich mit dem CRBN2 erneut ins Reich der Elektrostaten – und das mit einem Hauch von Pioniergeist.

Das Besondere an diesem Modell liegt in der Kombination aus bewährter Materialforschung und einer Technologie, die Audeze selbst als „SLAM“ bezeichnet. Dahinter verbirgt sich ein akustisches System, das den Schalldruck im Kopfhörer gleichmäßiger verteilen soll. Das Ziel: ein satterer Tieftonbereich ohne die für Elektrostaten typische Verzerrung. SLAM steht für „Symmetric Linear Acoustic Modulator“ und ist laut Audeze zum Patent angemeldet. Ob der Name nicht ein wenig zu viel verspricht? Klanglich soll das System jedenfalls für eine Präsenz sorgen, die nicht nur hörbar, sondern auch physisch spürbar ist.

Im Herzen des CRBN2 arbeitet ein weiterentwickelter elektrostatischer Treiber auf Basis von Kohlenstoffnanoröhrchen. Diese ultrafeine Diaphragma-Folie, einst für den Einsatz in MRT-Röhren konzipiert, wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Mark S. Cohen von der UCLA School of Medicine entwickelt. Die Anforderungen an medizinisches Equipment – keine magnetischen Materialien, hohe Präzision – haben Audeze zu einem Ansatz geführt, der nun auch dem Heimanwender zugutekommt.

Die technischen Daten lesen sich wie das Wunschprofil eines High-End-Enthusiasten: Ein Frequenzbereich von 10 Hertz bis 40 Kilohertz, ein maximaler Schalldruckpegel über 120 Dezibel, eine Verzerrung von unter 0,1 Prozent bei 90 Dezibel. Die Treiberfläche misst 120 mal 90 Millimeter, gespeist wird das System über eine klassische 580-Volt-Bias-Spannung – kompatibel mit allen handelsüblichen Elektrostatenverstärkern mit „Stax Pro Bias“.

Der Audeze CRBN2 bringt mit innovativer SLAM-Technologie und weiterentwickeltem Nanotube-Treiber frischen Wind in die Welt der elektrostatischen High-End-Kopfhörer.

Während die Innenleben des CRBN2 vor Ingenieurskunst nur so strotzen, bleibt auch das Äußerliche nicht auf der Strecke. Lederpolster, ein Kopfband aus Karbon und Edelstahlkomponenten versprechen nicht nur Komfort, sondern auch Langlebigkeit. Mit rund 480 Gramm Gewicht bleibt der Hörer im Rahmen dessen, was im elektrostatischen Segment noch als tragbar gilt. Dank des Verzichts auf schwere Magnete soll der Tragekomfort auch bei längeren Sessions hoch bleiben.

Der Kabelanschluss erfolgt über ein 2,5 Meter langes OCC-Kupferkabel mit fünfpoligem Stecker, das auf die übliche Stax-Kompatibilität setzt. Ein Wechsel auf andere Verstärker ist somit kein Problem. Wer bereits in ein passendes Setup investiert hat, kann den CRBN2 nahtlos integrieren.

Ein Schnäppchen ist der CRBN2 selbstverständlich nicht. Doch Audeze zielt mit diesem Modell auch nicht auf Einsteiger. Vielmehr geht es darum, audiophile Grenzerfahrungen zu ermöglichen – mit einem Hörer, der antritt, das klangliche Maximum aus dem Konzept Elektrostaten herauszuholen. Ob das gelingt, wird der Hörtest zeigen müssen. Der erste Eindruck jedoch: technisch faszinierend, ambitioniert konzipiert und alles andere als austauschbar.