Ledlenser HF7R Pro und H9R Pro: Stirnlampen im Praxistest

2.200 Lumen und 100 Stunden Laufzeit klingen zunächst nach viel Licht für sehr lange Zeit. In der Praxis liegen diese Werte aber weit auseinander. Beim Test von HF7R Pro und H9R Pro zeigt sich deshalb vor allem, wie wichtig die mittleren Leistungsstufen und die automatische Lichtsteuerung sind.
Ledlenser hat sein Stirnlampenprogramm in diesem Herbst komplett erneuert. 26 Modelle verteilen sich auf zwei Serien. Entwickelt werden sie in Solingen, wo Stirnlampen nach Angaben des Unternehmens inzwischen rund die Hälfte des Firmenumsatzes ausmachen.
Für den Test haben wir uns zwei Modelle herausgegriffen, die einen großen Teil der neuen Technik abdecken, ohne gleich in die 399-Euro-Klasse der H21R zu wechseln: die HF7R Pro für 129 Euro und die H9R Pro für 169 Euro.
Viel Lumen heißt nicht lange viel Licht
Auf dem Datenblatt liegen zunächst klare Unterschiede. Die HF7R Pro erreicht maximal 1.200 Lumen und eine Leuchtweite von 210 Metern. Bei der H9R Pro nennt Ledlenser bis zu 2.200 Lumen und 250 Meter.
Mit der Laufzeit darf man diese Werte allerdings nicht verwechseln. Die Maximalleistung gilt für die Boost-Stufe, die längste Laufzeit für die niedrigste Leistungsstufe.
Bei der HF7R Pro stehen 1.200 Lumen nur einige Minuten zur Verfügung. Danach regelt die Elektronik herunter. 600 Lumen hält die Lampe laut Hersteller ungefähr drei Stunden, 250 Lumen etwa acht Stunden. Die maximale Laufzeit von 60 Stunden erreicht sie bei 20 Lumen.
Die H9R Pro funktioniert nach demselben Prinzip. Ihre angegebenen 100 Stunden Laufzeit gehören nicht zur 2.200-Lumen-Stufe, sondern zum Betrieb mit geringer Leistung.
Das ist weniger Marketingtrick als schlichte Physik. Im Kopf der HF7R Pro steckt ein Lithium-Polymer-Akku mit 2.400 mAh beziehungsweise 8,88 Wh. Eine dauerhaft sehr hohe Lichtleistung würde diesen Akku schnell leeren und zugleich viel Wärme im Lampenkopf erzeugen.
Interessanter sind deshalb die mittleren Stufen. Genau dort spielt sich ein großer Teil des tatsächlichen Einsatzes ab. Ledlenser selbst rückte bei der Vorstellung der neuen Modelle vom üblichen „Lumenrennen“ der Branche ab und stellte einen möglichst konstanten Lichtstrom in den Vordergrund.
Im Test bestätigte sich dieser Ansatz. Die Boost-Stufen waren nett zum Ausprobieren, wirklich gearbeitet haben wir überwiegend darunter.

Drei LEDs und ein Sensor regeln das Licht
Beide Modelle arbeiten mit Adaptive Light Beam in der zweiten Generation. Im Lampenkopf sitzen drei getrennt angesteuerte LEDs für Nah-, Mittel- und Fernbereich.
Ein Sensor erfasst laut Ledlenser mehrere hundert Mal pro Sekunde die Reflexionen und passt das Lichtbild entsprechend an. Die neue Sensorgeneration soll zehnmal empfindlicher arbeiten als die bisherige und gleichzeitig nur wenig Energie benötigen.
Das klingt zunächst nach einer Funktion, die auf dem Datenblatt interessanter wirkt als im Alltag. Tatsächlich gehört die Automatik aber zu den Punkten, die im Betrieb schnell auffallen – gerade weil man sie nach kurzer Zeit kaum noch bewusst wahrnimmt.
Wir haben die Lampen deshalb nicht nur ruhig auf einen Punkt gerichtet, sondern den Blick bewusst schnell verändert: auf den Boden direkt vor den Füßen, anschließend in die Ferne und dann auf ein Smartphone in der Hand.
Beide Modelle kamen damit problemlos zurecht. Der Lichtkegel folgte den Bewegungen, ohne sichtbar zu pumpen oder zwischen verschiedenen Helligkeiten zu springen. Auch der Übergang zwischen den drei LEDs war nicht störend zu erkennen. Das Lichtbild blieb gleichmäßig und ohne harte Ränder.
Wer die Automatik nicht nutzen möchte, kann über den Digital Advanced Focus Helligkeit und Fokus selbst einstellen. Die automatische Regelung pausiert dann.

HF7R Pro bleibt kompakter, H9R Pro reicht weiter
Im Praxistest waren beide Lampen auf einer Campertour durch die Niederlande dabei, abends rund um den Stellplatz und nachts auf unbeleuchteten Wegen. Zusätzlich kamen sie bei Kollegen aus unseren Bau-Redaktionen auf einer Baustelle zum Einsatz.
Die HF7R Pro wiegt laut Hersteller 134 Gramm, mit komplettem Kopfband etwas mehr. Auf dem Kopf fällt das Gewicht kaum auf. Für Arbeiten im Nahbereich passt dieses Konzept gut, weil Akku und Lampeneinheit kompakt zusammenbleiben.
Die H9R Pro ist schwerer. Ihr Akku sitzt allerdings nicht im Lampenkopf, sondern am Hinterkopf. Dadurch verteilt sich das Gewicht besser. Nach einigen Minuten rückte es im Test in den Hintergrund.
Draußen macht sich vor allem die größere Reichweite bemerkbar. Die vom Hersteller angegebenen 250 Meter sind natürlich ein Maximalwert. Trotzdem zeigt die H9R Pro auf freien Flächen deutlicher Reserven als die HF7R Pro.
Dazu kommen zusätzliche Lichtfarben. Während die HF7R Pro Weiß und Rot beherrscht, stehen bei der H9R Pro Weiß, Rot, Grün und Blau zur Verfügung. Außerdem sitzt am Hinterkopf ein rotes Rücklicht. Beim Laden kann die H9R Pro weiterleuchten, die HF7R Pro nicht.
Welche Lampe passt zu welchem Einsatz?
Die HF7R Pro ist die kompaktere der beiden Lampen und passt gut zu Arbeiten, die sich überwiegend im Nah- und Mittelbereich abspielen. Die H9R Pro bringt mehr Leistung, größere Reichweite und zusätzliche Funktionen mit.
Der Aufpreis von 40 Euro ist deshalb nicht automatisch gut angelegt. Wer hauptsächlich an Maschinen, in Gebäuden oder auf Armlänge arbeitet, dürfte mit der HF7R Pro kaum etwas vermissen. Bei Arbeiten im Freien, auf größeren Baustellen oder auf längeren Wegen kann die H9R Pro ihre Reserven besser ausspielen.
Beiden gemeinsam ist, dass die maximalen Lumenzahlen im Alltag weniger wichtig sind als die Lichtregelung. Gerade der Sensor macht im Test den größeren Unterschied. Er erspart häufiges Nachstellen und sorgt dafür, dass sich der Lichtkegel recht selbstverständlich an wechselnde Entfernungen anpasst.

H21R geht bei Leistung und Preis noch deutlich weiter
Die H21R war nicht Bestandteil unseres Tests. Das Spitzenmodell der neuen H-Serie erreicht laut Hersteller im Boost bis zu 10.000 Lumen und eine Leuchtweite von bis zu 400 Metern.
Über Bluetooth und die App Ledlenser Connect lassen sich unter anderem Tastenbelegung, Timer und Intervalle programmieren. Ein doppelter Kühlkörper mit Luftkanal soll die entstehende Wärme abführen. Der Preis liegt bei 399 Euro.
Alle Akkumodelle der neuen Serien laden über USB-C. Die Akkus sind wechselbar. Für das Aluminium der Lampengehäuse nennt Ledlenser einen Recyclinganteil von 100 Prozent. Nach Registrierung gibt das Unternehmen sieben Jahre Garantie auf die Lampe, nicht jedoch auf den Akku.
Unsere Meinung
Der Test zeigt vor allem, wie wenig sich Stirnlampen allein über ihre maximale Lumenzahl vergleichen lassen. Entscheidend sind Lichtverteilung, Regelverhalten, Wärmehaushalt, Akkulaufzeit in realistischen Leistungsstufen und der Tragekomfort.
Offen bleibt, wie konstant beide Lampen ihre mittleren Leistungsstufen über einen kompletten Akkuzyklus halten und wie sich die Akkus nach vielen Ladezyklen verhalten. Auch ein direkter Vergleich mit ähnlich ausgestatteten Modellen anderer Hersteller wäre interessant. Gerade bei automatischer Lichtregelung entscheidet weniger das Funktionsprinzip als dessen Abstimmung im praktischen Einsatz. Mit etwas Wehmut bleibt festzustellen: Bislang war die HF8R Signature unsere Allzwecklampe für unterwegs – fürs abendliche Gassigehen oder als sofortige Einsatzlampe bei Stromausfällen. Nun müssen wir sie als Reserve zurücklegen, denn die HF7R Pro hat ihre Aufgaben übernommen.
