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DLZ Creator XS – kompakt, klangstark und clever gemacht

Kaum aus dem Karton geholt, macht sich der DLZ Creator XS auf dem Schreibtisch angenehm breit – nicht im Sinne von Größe, sondern durch seine durchdachte Präsenz. Wer dachte, hier komme nur eine abgespeckte Variante des großen DLZ Creator daher, der irrt. Dieses kompakte Audiopult ist ein Werkzeug für kreative Köpfe, die auf wenig Raum viel erwarten – insbesondere in Sachen Klang, Workflow und Alltagsnutzen.

Klangqualität auf hohem Niveau – auch ohne High-End-Mikro

Zwei Onyx 80 Mikrofonvorverstärker mit bis zu 80 dB Verstärkung bringen selbst dynamische Mikrofone mit niedriger Ausgangsleistung souverän ins Ziel. In der Praxis zeigt sich das beim Anschluss eines typischen Broadcast-Mikrofons: Der Pegel sitzt sofort, das Signal ist klar und satt – kein Rauschen, kein Röcheln, kein Nachhelfen mit Boostern. Genau so muss das sein, wenn’s professionell klingen soll.

Besonders beeindruckend ist, wie rauscharm das Ganze bleibt. Auch bei weit aufgedrehten Gain-Werten bleibt der Hintergrund flüsterleise. Das macht den Unterschied zwischen „klingt okay“ und „klingt sendefertig“.

Klangpraxis – Presets im Alltag

In der Praxis lassen sich verschiedene Klangprofile für Mikrofone ausprobieren – und genau das habe ich getan. Das allgemeine „Default“-Profil erweist sich als echter Allrounder: Der Sound ist ausgewogen, mit dezenter Höhenanhebung und leichtem Bass-Boost. Für Podcasts, Interviews oder Voiceovers liefert das eine angenehme Präsenz und Wärme, ohne überzeichnet zu wirken.

Ein alternatives Preset, das etwas stärker in den Mitten zupackt, war in meinem Setup weniger geeignet – da wurde es schnell nasal. Wer seinen Klang liebt, kann sich eigene Presets bauen und abspeichern. Dank Snapshot-Funktion geht das schnell und ist jederzeit abrufbar – inklusive Kanalfarben, Routing, DSP-Einstellungen und Lautstärken.

Formfaktor & Bedienung – ergonomisch und durchdacht

Mit rund 26 × 20 × 8 Zentimetern ist der DLZ Creator XS ideal für den Schreibtisch, das Heimstudio oder mobile Einsätze. Das Gehäuse ist robust, aber leicht, die Anmutung professionell, ohne übertrieben aufzutrumpfen. Das 7-Zoll-Touchdisplay ist entspiegelter als viele Tablets und reagiert in den meisten Fällen zuverlässig – auch wenn es in der rechten unteren Ecke manchmal mehrere Versuche braucht, um einen Befehl auszuführen.

Statt Fadern gibt es fünf Drehregler für die wichtigsten Kanäle und vier frei belegbare Endlos-Encoder mit LED-Farbkranz. Das fühlt sich solide an und macht auch bei längeren Sessions Spaß. Die sechs beleuchteten Sample-Pads sind reaktionsfreudig, könnten aber etwas größer sein – gerade bei schnellen Triggern kann es hier zu Fehleingaben kommen.

Anschlussfreudig und flexibel – das Streaming-Studio im Kleinformat

Die Anschlussvielfalt ist für diese Größe bemerkenswert: Zwei XLR/Klinke-Kombibuchsen, zwei Line-Ins, Bluetooth 5.0, USB-C Audio, SD-Kartenslot und ein USB-A-Port für Speichersticks. Hinzu kommt ein LAN-Port für Netzwerk-Streaming via NDI. Damit lassen sich alle gängigen Audioquellen und -ziele abdecken – vom Smartphone bis zur Studio-DAW.

Als Audiointerface arbeitet der DLZ Creator XS mit 14 Eingängen und 4 Ausgängen – perfekt für Multitrack-Aufnahmen. Die SD-Karte erlaubt gleichzeitig eine Stereomischung und Mehrspuraufnahme – ein echter Segen für Live-Podcasts, spontane Recordings oder mobile Produktionen.

NDI – direkte Verbindung zum Streaming-Setup

Besonders interessant für Streamer und Hybrid-Produktionen ist der integrierte NDI-Support. Darüber lässt sich der Audio-Stream direkt ins Netzwerk einspeisen – ohne zusätzliche Hardware, ohne Latenzprobleme. Für alle, die mit OBS oder vMix arbeiten, ist das ein echter Gamechanger: Audio geht direkt von der Quelle ins System, kabellos und stabil.

Automix – Regie auf Knopfdruck

Ein echtes Highlight ist die Automix-Funktion. Dabei wird jeweils das Mikrofon priorisiert, das gerade spricht – und alle anderen automatisch abgesenkt. So entstehen keine Überschneidungen, kein Durcheinander, kein akustisches Chaos. Ob bei Interviews, Gruppengesprächen oder Remote-Gästen per Bluetooth – der Automix arbeitet zuverlässig und nahezu unhörbar im Hintergrund. Einmal aktiviert, will man ihn nicht mehr missen.

DSP-Bearbeitung – alles drin, alles steuerbar

In puncto Signalbearbeitung bietet der DLZ Creator XS alles, was man braucht: parametrischer 3-Band-EQ, Kompressor, Noise-Gate, De-Esser, Hochpassfilter, Reverb, Delay. Die Effekte klingen rund, sind sinnvoll abgestimmt und lassen sich in drei Bedienmodi aufrufen: Easy, Enhanced und Pro. Je nach Erfahrungslevel kann man sich tiefer oder oberflächlicher mit der Klanggestaltung beschäftigen.

Ich habe mich im Pro-Modus ausgetobt: EQs feinjustiert, den Kompressor moderat eingestellt, ein Hauch Hall dazu – fertig ist der sendefertige Klang. Wer nicht alles selbst machen möchte, kann auf die sinnvollen Werkspresets zurückgreifen – oder den Mix Agent nutzen, der Schritt für Schritt durch den Setup-Prozess führt.

Workflow & Alltagstauglichkeit

Dank der drei Bedienmodi ist der DLZ Creator XS sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene geeignet. Der Easy-Modus reicht für einfache Sprachaufnahmen oder spontane Streams völlig aus. Wer mehr Kontrolle will, steigt in den Enhanced- oder Pro-Modus um – hier sind alle Parameter frei zugänglich.

Die Snapshots sind Gold wert: Presets für ganze Sendungen lassen sich speichern, inklusive Pad-Belegung, Routing, Lautstärken und DSP. Ideal für Creator, die zwischen Formaten, Kanälen oder Projekten wechseln – ohne jedes Mal neu zu starten.

Kritikpunkte – da geht noch was

Trotz vieler Pluspunkte gibt es auch kleinere Schwächen: Der Touchscreen ist nicht immer reaktionssicher. Bei längerer Nutzung wird das Gerät spürbar warm. Wer den DLZ Creator XS flach auf dem Tisch nutzt, sollte für Belüftung sorgen.

Fazit – viel Klang, viel Kontrolle, null Ballast

Der DLZ Creator XS ist ein echtes Kraftpaket im Kompaktformat. Wer Podcasts produziert, Livestreams fährt oder Interviews aufnimmt, bekommt hier ein durchdachtes, flexibles und klangstarkes Werkzeug. Die Bedienung ist logisch, der Klang beeindruckend sauber, die Funktionen praxisnah – von der Automix-Regie bis zum Multitrack-Recorder. Perfekt für alle, die mehr wollen als ein simples Audiointerface – aber keinen Pult-Fuhrpark im Studio brauchen.

mackie.com/dlz_creator_xs